Trolley-Problem

Es ist ein wunderschöner, sonniger Samstagnachmittag und du beschliesst, einen Spaziergang entlang der Zuggleise zu unternehmen. Während du gehst, hörst du den heranrollenden Zug und trittst einige Schritte zurück. Aber als dieser sich nähert, dringen panische Rufe zu dir heran – die fünf Passagiere des Zuges schreien um Hilfe. Die Bremsen sind ausgefallen und der Zug gewinnt an Tempo.
Zufälligerweise stehst du gerade neben einem Nebengleis, welches auf einen Sandplatz führt. Alles was du tun musst ist den Hebel betätigen und du rettest die fünf Menschenleben. Klingt simpel, nicht? Aber hier ist das Problem: Auf dem Sandplatz steht ein Mann, der sich des Zuges und deines möglichen Entscheids völlig unbewusst ist. Um ihn zu warnen, bleit keine Zeit. Betätigst du den Hebel rettest du die Zugpassagiere, tötest jedoch einen unschuldigen Mann. Was wirst du tun?

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Eine Variante des Trolley-Problem: Der Zug droht fünf Personen zu überrollen, durch Umstellen der Weiche wird „nur“ eine sterben

Dieses Dilemma nennt sich das Trolley-Problem, ein moralisches Paradox, welches zum ersten Mal 1967 von Phillipa Foot beschrieben wurde. Noch heute wird dieses Problem heftig debattiert.

Bei diesem Gedankenexperiment geht es lediglich um die Frage, ob man den Tod weniger in Kauf nehmen darf, um viele zu retten. Das Entscheidungsproblem wird in der Fachliteratur variiert, indem die Anzahl der beteiligten Personen geändert oder ihnen besondere Eigenschaften zugeordnet werden.

Auf das Thema gestossen bin ich durch den Kurzfilm „Sommersonntag“. Ein Brückenwärter opfert das Leben seines Sohnes um die Passagiere eines heranrollenden Zuges zu retten. Der Film hatte mich sehr verstört. Er wirft die Frage auf, wie ein Menschenleben gewertet werden soll. Ist die Quantität wirklich der entscheidende Faktor für das Abwägen der Leben?

Anfangs war ich überzeugt, dass der Brückenwärter falsch gehandelt hatte. Sein Sohn hätte für ihn im entscheidenden Moment mehr bedeuten sollen, als einige Unbekannte in einem Zug.
Nun bin ich anderer Meinung und denke, dass sein Handeln nicht nur gerechtfertigt, sondern zu bevorzugen wäre.

Ich selbst hätte anders reagiert, obwohl ich wüsste, dass es falsch ist. Menschenleben proportional zu rechnen geht für mich nicht auf. Letztendlich bin ich wohl doch nur eines dieser egoistischen, ignoranten Wesen, das nicht bereit ist, Opfer zu geben.

Und wer bin ich schon, um über Menschenleben zu werten?

~ciel


 

Beitragsbild © jameystegmaier.com
Trolley-Problem Bild © The Useless Tree
Video © arte

1 Comment

  1. Deine einleitung ist dir sehr gelungen. Zudem mag ich es, dass du dich selber kritisch betrachtest. Du kannst kein wesen sein, „das nich bereit ist, opfer zu geben“. Wenn du in diese situation geräts, bindet sie dich auch unwillentlich an deine verantwortung. Du wirst opfer bringen müssen. Sonst wenige komma- und rechtschreibungsfehler zu finden. Z.b. „Dringend panische rufe zu dir…“ (Prädikativ, nicht partizip)
    Tolles thema ausgesucht!
    -cashew

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