Dieser Weg – Xavier Naidoo

Anders als heute, war man zu meiner Zeit in der Primarschule total „In“, wenn man das Lied „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo auf seinem aufklappbaren Sony Ericson hatte. Kein Mitschüler bzw. keine Mitschülerin blieb von dem Ohrenwurm verschont. Kaum ein Ton wurde beim Nachsingen getroffen und auch der Text wurde hie und da nach Belieben verändert. Die tiefgründige Bedeutung und die gesamte Tragweite hinter dem banal aufgebauten Text, blieb unserem Wissen vorenthalten. Um auf den Text des Liedes eingehen zu können, empfiehlt es sich an dieser Stelle, kurz die Nase in den Song und das Musikvideo zu stecken.

Also ging ich diese Straße lang.
Und die Straße führte zu mir.

Bereits der Beginn des Liedes scheint auf den ersten Blick verschlüsselt und bringt Fragen mit sich. Wer steckt hinter dem „ich“? Was symbolisiert die Strasse und wieso ging er/sie diese entlang?

Um die erste zu klären, bedarf es eines bestimmten Vorwissens. Naidoo widmete das Musikstück seinem Patenkind und es beinhaltet Rat für dessen zukünftigen Lebensweg. Für die übrigen Fragestellungen bietet es sich an, den Text als Ganzes zu betrachten. Dabei wird eine klare Entwicklung des lyrischen Ichs erkennbar. Zu Beginn werden Vermutungen angestellt („dieser Weg wird kein leichter sein“), wobei am Ende diese zu Tatsachen geworden sind („dieser Weg ist steinig und schwer“). Dieser kleine Unterschied in der Ausdrucksweise, öffnet mögliche Tore zu spannenden Interpretationsansätzen. Einer davon wird an folgender Stelle untersucht:

Naheliegend ist der Gedanke, dass der Song von einer Trennungssituation handelt. Dabei dreht es sich nicht zwingend um die einer Liebesbeziehung. Auch der Abschied von Freunden, Familien, Gegenständen oder Orten kommt dabei in Frage. Der Erzähler ermuntert sein Gegenüber mit dem Lied, nicht an der Gegenwart festzuhalten. Das Jetzt mag gut genug erscheinen, „doch dieses Leben bietet so viel mehr“.

Das Lied, das du am letzten Abend sangst,
spielte nun in mir.
Noch ein paar Schritte und dann war ich da,
mit dem Schlüssel zu dieser Tür.
 

Dieser Textausschnitt gefällt mir sehr, auch wenn ich ihn nicht komplett verstehe. Die Türe deute ich als Metapher für den Schritt, sich vom Gewohnten zu trennen. Schliesst man sie auf, gibt es kein Zurück mehr in die vertraute Gegenwart.

Manche treten dich. Manche lieben dich.
Manche geben sich für dich auf.
Manche segnen dich. Setz‘ dein Segel nicht,
wenn der Wind das Meer aufbraust.

Es wird von Problemen erzählt, die sich in den Weg stellen und von Konflikten, die es zu lösen gilt. Auch schöne Momente folgen. Die Kunst dabei ist, sich an den richtigen zu orientieren. Man solle sich nicht durch schlechte Erlebnisse, vom richtigen Weg abbringen lassen.

Hört man beim Lied als Gesamtes genauer hin, kristallisieren sich einzelne spannende Elemente heraus. Zum Beispiel zieht sich durch beinahe das ganze Lied der gleiche Beat hindurch. Dabei wird auf einfache Weise dargestellt, wie das Leben vorüberzieht, egal welche Entscheidungen man trifft. In den letzten Sekunden des Musikstücks, fällt dieser jedoch aus. Ich fand mich mit folgenden beiden Erklärungen ab: Entweder widerspiegelt das  Lied ein gesamtes Leben, welches gemeinsam mit der Musik zu Ende geht, oder das lyrische Ich erlangte den Punkt der Selbstverwirklichung, sprich ist dort, wo er hinwollte, angekommen.

Die vielen, sich wiederholenden Elemente – sowohl im Songtext, als auch in der Musik- sehe ich wiederum nicht als Zufall an. Wie im Video gezeigt, erscheint auch unser Leben teils monoton und trostlos. Der Verfasser dieses Liedes will vermitteln, dass man sich nicht voreilig zufrieden geben soll. Das Leben ist nicht hier, um schlicht vorbeizugehen, sondern um das Beste daraus zu machen und dafür zu kämpfen, denn:

Nichts was sich zu haben lohnt, fällt einem in Hände.

 

Also ging er diese Strasse lang.

    – Mangomaster

Schreibe einen Kommentar