Wolke 7

Wolke 7 – Max Herre ft. Phillipp Poisel

„Wolke 7“ ist ein Lied, welches zum Nachdenken anregt. Es werden laufend offene Fragen gestellt, die Antworten dazu muss sich jeder selbst suchen, so scheint es. In mancher Hinsicht, ich werde es nicht verleugnen, ist „Wolke 7“ ein „Depri-Lied“. Die Musik ist traurig, melancholisch, löst das Gefühl von Endlosigkeit aus. Die Melodie ist eher einfach und etwas monoton. Die Strophen werden fast nicht gesungen, sondern mehr gesprochen/gerappt von Max Herre. Der Refrain ist dagegen melodisch, mit mehreren Instrumenten und unterschiedlichen Effekten untermalt. Gesungen wird er von Phillipp Poisel. Mir erscheint dieses Duett sehr gelungen, vor allem im Hinblick auf den Inhalt des Songs. Dieser Stimmwechsel und die unterschiedliche Darstellungsart illustrieren die Widersprüche, Zweifel, Gegensätze sehr deutlich und trotzdem sehr harmonisch. Die Musiker haben das schwierige Thema insgesamt äusserst gekonnt künstlerisch interpretiert. Der Text setzt sich mit dem „Selbst“ auseinander, sprich mit dem  eigenen Ich. Es wird alles aufgeworfen, alles hinterfragt. Die Fragen drehen sich um den Sinn des Lebens, um die Gegensätze, die sich im Leben jedes einzelnen ergeben, darum, woran man glauben soll.

Kopf in den Wolken – Kopf im Sand

Hoch geflogen – und so of verbrannt

Es wär so einfach  – wenn’s nicht so einfach wär

Und all die Widersprüche totgeschwiegen

Mein Albtraum auf Wolke 7

Das Lied spricht direkt zum Hörer, indem „Du“ gesungen wird, aber die beiden Sänger Max Herre und Phillipp Posisel beziehen auch Dinge auf sich selbst. Man weiss nicht wie mit seinen Gedanken umgehen, weiss nicht weiter, kann gewisse Gefühle nicht erklären, ist verloren… Aber man versucht sich aufzubauen, denn das Leben ist liebenswert, und es geht weiter.

Also schliesse ich die Augen, um an etwas zu glauben, ist es wert es zu lieben und das Leben zu lieben

An nichts ausser an Wunder glauben

Ich kann mich sehr gut mit dem Lied identifizieren, da mein Selbstwertgefühl nicht immer intakt ist, und mein Selbstbewusstsein an manchen Tagen eher tiefer ist als es erscheinen mag. Das Lied baut mich nicht direkt auf, denn es ist nicht unbedingt ein gezielt aufmunterndes Lied. Wenn man das braucht, könnte man zum Beispiel „Happy“ hören. Auch wenn manche Personen diese Meinung nicht vertreten werden, ich finde solche Lieder wie „Wolke 7“ viel wichtiger als irgendwelche Party-Chartstürmer ohne Aussage. Das Lied ist authentisch,  spricht wirklich das aus, was viele fühlen und denken, aber nicht unbedingt aussprechen. So viele Fragen und Zweifel mögen einem vielleicht peinlich erscheinen und man will sie verdrängen. Durch das Lied wird man gezwungen sich intensiver mit sich selbst auseinander zu setzten, wenn man das nicht sonst schon macht.

„Mann im Spiegel, Hass oder Liebe?“

Du schaust dich im Spiegel an. Du weisst nicht, ob du dich hassen oder lieben sollst. Was liebst du an dir? Nichts. Ich weiss es nicht. Du wirst es nicht sofort sagen können. Was hasst du an dir? Meine Beine, meine Haare, meine Arme, meinen Bauch, meine Haut, meine …. Stopp! 

Man muss sich mit dieser Situation oft auseinander setzen, als Jugendlicher ganz neu und intensiv. Wenn man dann noch deutlich begreift, dass man sich von der Mehrheit unterscheidet und negative Reaktionen der Mitmenschen erlebt, führt dies zu noch kritischerer Selbstbetrachtung. 

Genauer genommen, stellt man sich vermutlich diese Frage recht oft im Leben, man ist ja oft genug in einem Clinch mit sich selbst. An manchen Tagen ist es so, an anderen anders. Es kann jeden betreffen, wir alle sind verschieden, nicht gleich. Manchen fällt es leichter sich selbst zu lieben, andere sehen sich völlig anders als sie von aussen eigentlich wahrgenommen werden. Natürlich hat nicht jeder Mensch etwas oder so viel an sich auszusetzen, und das ist auch gut so, denn man sollte sich lieben und seinen Körper, seine Art, seine Gefühle, die Person die man halt wirklich ist, akzeptieren.

„Angst vorm Fallen, lieber für nichts mehr stehen“

Du zweifelst an dir selbst. Denkst, du wirst scheitern, also versuchst du es lieber gar nicht. Riskierst nichts. Du behältst deine Meinung für dich, weil du fürchtest, von der Menge verurteilt zu werden. 

So denken darf man nicht, finde ich. Man fühlt sich oft verunsichert, doch man darf sich nicht einschränken lassen! Ich will etwas erreichen, ich will Karriere machen, ich will mich selbst verwirklichen. Auf diesem Weg werde ich, oder muss ich vielleicht sogar fallen, um wieder aufstehen zu können und meine Ziele im Auge zu behalten. Man sollte sich diese Art von Einstellung immer wieder in den Kopf rufen, um wieder positiv denken zu können, um in die Zukunft zu blicken, um nicht aufzugeben.

Meine Schlussfolgerung ist, auch wenn man auf Wolke 7 schwebt, gibt es schlechte Zeiten, schlimme Momente, schwierige Aspekte. Genauso aber auch umgekehrt: in jedem Albtraum gibt es ein Licht der Hoffnung, ein Wunder. Das Lied hat mir gezeigt, dass es völlig okay ist, sich nicht zu mögen oder in Frage zu stellen („Du willst jemand anders sein, nur wer kann das sein?“), die Welt nicht mehr zu verstehen („In den Bilderfluten nichts mehr sehn“), an niemanden mehr herankommen oder niemanden an sich heranlassen („Jeden kennen, aber niemandem trauen.“). Es kommt wirklich vor, und man ist nicht der Einzige damit. Das Schlechte, Fragwürdige und Depressive mag überwiegend erscheinen, doch es ist immer wert dich zu lieben und das Leben zu lieben…

Das Lied ist mir sehr wichtig und spricht mich direkt an, kitschig gesagt, es spricht aus meiner Seele. Deshalb habe ich so persönlich über die Verbindung des Liedes zu mir geschrieben. Ich hoffe es spricht noch mehr Leute an und hilft ihnen mit solchen schwierigen Fragen umzugehen.

Davidovitsh

*Beitrag überarbeitet

1 Comment

  1. Du hast einen tollen Schreibstil und du sprichst mir aus der Seele. Ich glaube wir alle kennen solche Selbstzweifel und diese Gefühle. Respekt! Dieser Beitrag geht unter die Haut. – noname

Schreibe einen Kommentar