Chicago

 

Ich stelle euch das Lied Chicago von Clueso vor. Hier verlinke ich euch zuerst einmal den Songtext und das Video:

http://www.songtexte.com/songtext/clueso/chicago-43db63df.html

Das Lied hat anfangs eine eher fröhliche Melodie, die eigentlich nicht zum Inhalt dieses Liedes passen sollte, da dieser besonders düster, tragisch und traurig ist, aber erstaunlicherweise passt die Melodie ziemlich gut, da man wahrscheinlich anfangs nicht ahnt, welche Handlung das Lied nimmt und es relativ fröhlich anfängt, doch je weiter man sich das Lied anhört, desto mehr merkt man, wie sehr man sich am Anfang geirrt hatte, doch beginnen wir endlich mit der Analyse:

Beim ersten Hören scheint dieses Lied die Geschichte einer Frau zu erzählen, die in einer Stadt lebt und davon träumt einmal nach Chicago zu ziehen, um dort ihr Leben neu anzufangen und es schlussendlich auch schafft, doch nach mehrmaligem Hören wird einem schnell klar, dass es nicht so simpel ist. Vor allem der zweite Refrain scheint nicht so ganz mit dem Inhalt zu harmonieren. Da singt Clueso nämlich davon, dass sie dich nach Chicago mitnimmt

,,Sie nimmt dich mit nach Chicago, nach Chicago“

Doch sie träumt selbst davon, endlich nach Chicago zu gelangen und auf einmal kann sie andere dorthin mitnehmen? Nein, das Chicago steht also für etwas anderes. In einer anderen Zeile lässt sich vermuten, dass sie vielleicht in ärmere Verhältnisse lebt:

,,Auch wenn sie sich selbst nicht ganz so pflegt“.

In vielen anderen erkennt man, dass sie drogenabhängig(wahrscheinlich Heroin), ist wie zum Beispiel diese:

,,Und wenn dort frisches Zeug durch die Adern fließt, gibt man den Löffel an die Kumpels ab“.

Dabei ist sie schon so abhängig, dass sie, sobald sie aus ihrem Drogentraum aufwacht, sich sofort neues Zeug spritzen muss wie man es in dieser Zeile sehen kann:

,, Denn auch wenn sie kurz schläft – sobald das Licht angeht. Dann muss sie schnell zurück“.

Dann fragt man sich wie finanziert sie ihre Sucht? Aus einigen Passagen erkennt man, dass sie eine Prostituierte ist(Ich glaube, dass ich hier keine Zeilen zitieren muss, da sie ziemlich eindeutig  sind oder?). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frau also eine Drogenabhängige ist, die ihre Sucht durch Prostitution finanziert. Daraus kann man dann auch leicht erschliessen, was Chicago bedeutet, nämlich das Paradies, in das die Frau abtaucht, sobald sie eine neue Dosis bekommt. Sie träumt die ganze Zeit davon, da ihre Sucht schon in einem sehr fortgeschrittenem Stadium ist. Kommen wir nun zum Ende, denn da singt Clueso, dass die Frau es einmal nicht zu einer Drogenparty erschienen ist. Sie sei weg und das Einzige, was sie hinterlassen habe, sei eine kleine Nachricht, in der stand:

,,Ich komm nie mehr! Ich bin in Chicago, in Chicago. Irgendwo wo mich keiner kennt. Ich komm nie mehr! Ich bin in Chicago, in Chicago. Dort wo niemand, niemand meinen Namen nennt!“

Da Chicago doch für ihren Drogentraum steht, heisst dass, das sie wohl angeblich eine Möglichkeit gefunden hatte, für immer dort zu sein, aber wie? Naja, sie dachte wohl, sie würde mit einem Selbstmord durch Überdosis dies erreichen, doch ob das wirklich klappte? Wie man also sieht, beginnt das Lied sehr stimmungsvoll, aber bekommt zunehmend eine düstere Atmosphäre, die mit dem Tod endet.

Ich fasse nochmals zusammen. Das Lied erzählt also die Geschichte einer Frau, die sich in eine Welt der Drogen flüchtet. Um ihre Sucht zu finanzieren, verkauft sie ihren Körper an fremde Männer. Zum Schluss bringt sie sich um, weil sie vielleicht hoffte, durch eine Überdosis, würde sie ewig in ihrem Chicago bleiben.

Das Lied regt sehr zum Nachdenken an, man fragt sich, wie oft solche Dinge in grösseren Städten eigentlich passieren oder wie es dazu kam, dass die Frau so geworden ist oder wie ihr Charakter war. In diesem Lied erhält man keine Informationen über ihre Vergangenheit oder ihre Gedanken, ihre Gefühle, ausser dass sie von ihrem Chicago träumt und dorthin will. So gesehen ist sie eigentlich nur eine Nutte, die an ihren Stoff will und zum Schluss verrückt geworden ist und Selbstmord begangen hat? Ja, so zumindest wäre die objektive Ansicht. Sie ist nur ein winziger Teil der Masse gewesen und somit eigentlich unwichtig. Der Staat versucht nur die Bedürfnisse der Masse zu befriedigen, doch was ist mit den Bedürfnissen des Individuums? Naja, es ist nicht einfach, da es zu viele Menschen gibt, kann sich der Staat nicht um jeden kümmern, deswegen sollte die Gesellschaft da Nachhilfe leisten. Und wer ist die Gesellschaft? Wir! Wir sollten nicht unsere Augen nur auf uns selbst, unsere Familie und unsere engsten Freunde richten, sondern auf jeden in unserem Umfeld, denn jeder könnte Hilfe gebrauchen und das scheinen viele Menschen heutzutage zu vergessen, mich miteinbeschlossen. Den Rest der Menschen, den wir nicht kennen versehen wir mit Vorurteilen. Das wird auch im Lied, besonders im Refrain, angesprochen. Die Frau träumt nämlich auch von einem Ort, in der sie von niemandem erkannt wird, in der niemand sie, nachdem bekannt wird, was sie macht, einfach als Drogenwrack und Schlampe abstempelt. In ihrer Stadt war das nämlich so, denn jeder kannte sie und wusste von ihrem Beruf, doch die Allermeisten wussten nichts Persönliches von ihr und steckten sie daher einfach in eine Schublade in der untersten Schicht der Menschen, als wären dort nur Monster. Vom Beruf kann man nur bedingt auf den Charakter schliessen. Auch beschweren sich manche darüber, dass niemand sich um ihnen kümmern würde, doch dabei tun sie selbst nichts für andere, aber wenn jeder jeden helfen würde und sich mit den Problemen des Individuums auseinandersetzen würde, wäre die Frau im Lied nicht mehr nur eine verrückte drogensüchtige Nutte, sondern ein Mensch mit vielleicht einer traumatischen Vergangenheit,  die sie zur Droge führte, damit diese ihr dabei half, die Vergangenheit zu verdrängen und vielleicht wäre sie sogar noch am leben, weil irgendjemand ihr zugehört und ihr geholfen hat. Wir dürfen also keine enge Perspektive wählen, in der wir  nur unsere kleine fröhliche Welt sehen, sondern eine breite, in der wir alles, sowohl das Schönste, aber auch vor allem das Schlimmste dieser Welt sehen, denn diese gilt es zu ändern.

Das Lied sagt aber auch etwas anderes aus. Das Ganze könnte nämlich die Sehnsucht eines Menschen repräsentieren, der vielleicht erst mit dem Tod gestillt werden kann. Wie oft träumen wir denn davon, wo anders zu sein? Wie oft denken wir an eine andere Welt, daran jemand anderes zu sein oder an einen anderen Verlauf unseres Lebens? Ich für mein Teil, in fast jedem Schulfach. Solange wir leben, werden wir von der Neugier geplagt und wer weiss ob das nach dem Tod nicht genau so ist?

Chicago könnte also auch die Stillung der Neugier und der Sehnsucht bedeuten. Die Droge für das, was wir täglich tun, um dem grauen Alltag zu entkommen, doch die Wirkung hält nicht ewig und egal wie viel oder was wir alles tun, werden wir Chicago nie erreichen.

Wir jagen täglich unsere Ziele, unseren Träumen hinterher und beschweren uns über den harten Weg, aber ist es nicht gerade das, was wir wollen? Denn wir versuchen es trotzdem. Das ist unsere Droge, die wir brauchen, um unsere Sucht nach dem Ungewissen zu stillen, aber je mehr unsere Ziele erreicht werden, desto mehr wollen wir. Und wenn wir dann sterben, können wir dann von uns sagen, dass wir unser letztes Ziel und unsere letzte Sehnsucht erreicht haben?

 

tooth chocolate

 

 

1 Comment

  1. Lieber S.H
    Als ich mir das Lied vorhin zum ersten Mal angehört habe, habe ich gar nicht so viel hinein interpretieren können, weil sich mir der Sinn des Textes noch nicht ganz erschlossen hat. Ich habe mich dann gefragt, was man denn überhaupt hier alles zu diesem Lied sagen kann. Aber beim Lesen deines Beitrags wurde mir so einiges klar. Ich finde, du hast den ganzen Text sehr spannend gehalten und viele Aspekte dieses Themas beleuchtet. Beim genaueren Betrachten regt dieser Text schon ziemlich zum Nachdenken an, und du hast all die wichtigsten Dinge schön auf den Punkt gebracht. Auch ich stelle mir oft die Frage, warum wir Menschen oft nur mit Hilfe von Vorurteilen andere mal schnell in eine Schublade stecken und abhacken, wie hier eben mit dem Beispiel Drogensüchtige, oder halt auch mit Leuten, die gegen für uns selbstverständliche Gesetze verstossen, wie Mörder. Man sollte wirklich anfangen, sich mehr auf die Bedürfnisse und Gedankengänge Einzelner zu konzentrieren.
    Danke für diesen sehr guten und spannenden Beitrag!
    Smaug

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