Alphabet

„98 % aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%.“
Zitat aus dem Film Alphabet

Das Konkurrenzdenken und der allgegenwärtige Notendruck sind keine Fremdwörter im heutigen Schulalltag. Von uns wird verlangt gute Noten zu schreiben, zu verstehen, interessiert zu sein und neben alledem ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir noch genug Zeit für soziale Kontakte, Hobbys und Zeit mit der Familie haben. Ende Schulzeit ist es dann logisch, dass man all die gelernten Informationen verstanden und abgespeichert hat. Ich bin mir sicher es gibt einige Kinder mit Fotografischem Gedächtnis, die eine Begabung für das Speichern vieler Informationen  haben. Aber wer kann von sich sagen, dass er noch die gleichen Kenntnisse über Pflanzenknollen hat wie vor drei Jahren? Ich kann das nicht. Ich wage sogar zu behaupten, dass die meisten nicht einmal mehr den Stoff der letzten Biologieprüfung genau im Kopf haben. Die zehn Seiten werden auswendiggelernt, im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert und nach der Prüfung wieder vergessen. Wie Maschinen lernen wir Seite um Seite, Prüfung über Prüfung. Am Schluss bekommen wir eine Gesamtnote in die Hand gedrückt.  Unser Beweis dafür, dass wir jetzt alle Wörtchen drei verschiedener Franzbücher beherrschen und in Biologie die Anatomie des Körpers genau auswendig können. Mit dem trockenen Stoff, den wir Lektion um Lektion eingehämmert bekommen, sollen wir dann in unser Berufsleben starten und uns dem Erwachsensein stellen. All die wichtigen Erfahrungen und Erlebnisse als Kind, sind längst vergessen. Unser Hirn brauchte Platz für die Namen und Nummern im Periodensystem, das wir aber mit einem Klick aus dem Internet richtig und vollständig abrufen könnten.

Vor einiger Zeit habe ich den Film „Alphabet“ geschaut. Dieser thematisiert genau dieses Thema. Unter anderem zeigt er ein Beispiel von einem Kind, das von seinen Eltern nie zur Schule geschickt worden ist. Der Grund dafür war aber nicht Geldmangel oder zu grosse Distanzen. Die Eltern waren einfach der Überzeugung, dass ihr Kind keine Lehrer braucht, die ihm vorgeben was es zu lernen oder zu wissen hat. Der Junge ist aufgewachsen ohne Schule. Flüssig lesen hat er gelernt, als er erfahren wollte, wie der Elektromagnet seiner Modelleisenbahn funktioniert. Die Eltern haben ihm all seine Fragen beantwortet, ihn aber nie zu etwas gezwungen. Regeln hat er sich selbst aufgestellt. Heute spricht er neben seiner Muttersprache Französisch fliessend Deutsch und ist ein begehrter Gitarrenbauer. Seine Eltern bereuen die Entscheidung, ihn nie zur Schule geschickt zu haben, nicht.

Das "Kind" das nie zur Schule ging.
Das „Kind“ das nie zur Schule ging.

Als ich diesen Film geschaut habe, war ich sehr begeistert. Allerdings hat er bei mir auch einige Fragen aufgeworfen. Was ist, wenn das Kind nicht lernen will, nicht genug selbstständig ist, um sich Lesen und Schreiben selbst beizubringen?
Die Antwort auf diese Frage ist simpel: Es ist doch so, dass kleine Kinder immer Fragen stellen. Tausende von Fragen, die uns erfahrenen „Erwachsenen“ dumm und sinnlos vorkommen. Kinder haben Interesse. So auch wir Jugendlichen. Warum wohl habe ich, eine selbst ernannte Dokumentationshasserin, mir eine Dokumentation über die Auswirkungen des sozialen Drucks auf unser Denken angeschaut. Ich war interessiert. Allerdings ist unser Interesse nicht immer so breit wie es der Stundenplan verlangt. Nie werde ich freiwillig oder in dem Beruf, der zu mir passt, den Satz des Pythagoras verwenden. Sprachen jedoch werde ich, eine Person die gerne reist, immer wieder brauchen können. Allgemeinwissen ist wichtig, doch Erfahrungen in der Natur und im wahren Leben genauso.
Kinder sollen Kind sein können und nicht im Alter von acht Jahren die ersten Französisch Wörtchen auswendig lernen müssen.

Hier ist noch der Trailer für Interessierte, ich finde ihn absolut empfehlenswert.

– noname

Quellen:
Bilder: www.alphabet-film.com und www.muetterblitz.de
Zitat: www.alphabet-film.com
Trailer: www.youtube.com

Änderungen vom 30.01.2015

1 Comment

  1. Mir gefällt deine leichte, einfache Art, über Dinge verständlich und dennoch interessant zu berichten. Ein alltägliches Thema hast du hinterfragt, und mich persönlich zum Nachdenken angesporrnt. Einer der wenigen Bloggs, die ich zu Ende gelesen habe 😛

    mangomaster

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