La Maison en Petits Cubes

La Maison en Petits Cube

Da das Wasser rundherum kontinuierlich steigt, sieht sich ein älterer Witwer genötigt, ein weiteres Stockwerk auf sein Haus zu bauen. Doch dann fällt ihm seine Lieblingspfeife in die gefluteten Stockwerke hinunter. Diese berührende Geschichte gewann 2009 den Oscar für den besten animierten Kurzfilm.

So wird der 2008 erschienene japanische Kurzfilm des Regisseurs Kunio Kato auf der Webseite des Animationsfilmfestivals Fantoche beschrieben.

Nachdem ihr euch den Film nun hoffentlich angesehen habt, was in der vergangen Deutsch-Lektion auch unser Auftrag war, haben wir über unsere persönlichen Interpretationen der Geschichte diskutiert.
Der Film beginnt mit dem Jetzt und reist in die Vergangenheit des alten Mannes, ich will es umgekehrt machen und beginne mit ihm als kleinem Jungen:

Die Hauptfigur des Filmes wächst in einem ländlichen Dorf auf, es ist noch nirgends Wasser zu sehen. Ein zentraler Punkt seiner Kindheit bildet ein grosser Baum, bei welchem er sich von klein auf mit einem Mädchen trifft. Anfangs spielen sie viel zusammen, und mit ihnen wächst auch ihre Zuneigung zueinander. Es dauert lange, bis sie tatsächlich zusammenkommen. Als er ihr bei einem ihrer Treffen am Baum seine Hand hinstreckt und sie sie ergreift, nimmt man an, dass sie sich verlobt haben.
Mit ihrer Heirat beginnen sie, sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Sie bauen ein Einzimmer-Haus und stossen mit Wein auf ihr neues Zuhause an.
Als ihre einzige Tochter zur Welt kommt, reicht der Platz nicht mehr und sie bauen ein zweites Stockwerk auf das bestehende Häuschen. Es hat mehrere Zimmer und steht auf Stützpfeilern. Wahrscheinlich steht das Dorf unterdessen unter Wasser, welches den ersten Stock des Hauses bereits geflutet und somit unbewohnbar gemacht hat. Das stetig steigende Wasser stellt das Leben dar. Das Leben, das einen zwingt weiterzumachen und es den Menschen verwährt, ewig zu leben.
Ihre Tochter wächst behütet auf und wird mit Bauklötzen (franz.: petits Cubes) spielend dargestellt. Sie baut einen Turm, der eine dem schlussendlichen Haus sehr ähnliche Form hat, obwohl das Haus zu dem Zeitpunkt so noch gar nicht existiert. Damit möchte man zeigen, dass ihre Tochter einen starken Einfluss auf den Verlauf des Lebens ihrer Eltern hatte. Hätten sie keine Tochter gehabt, hätten sie keinen so grossen zweiten Stock gebaut, möglicherweise hätten sie sich ohne sie sogar getrennt, wären ausgezogen und das Haus wäre überhaupt nicht mehr weitergebaut worden.
Als die Tochter zur Schule geht, ist das Wasser so hoch, dass sie das Haus bereits wieder erweitert haben und das Mädchen mit dem Schiff zur Schule gehen muss. Das Dorf ist mitgewachsen, ist zu einer Stadt auf dem Wasser geworden. Es stellt den Höhepunkt des sozialen Umfeldes des Mannes dar. Er hat Familie, Freunde, Arbeit, ein Haus, der Höhepunkt seines Lebens eben.
Dann wird ihre Tochter erwachsen. Der alte Mann lernt ihren Verlobten kennen und geleitet seine Tochter zum Altar. Er muss einsehen, dass sie nicht mehr sein kleines Mädchen ist.
Sie bekommt mit ihrem Ehemann Kinder und mit den frisch gebackenen Grosseltern werden Familienfotos geschossen.
Danach wird die Tochter ein zunehmend seltener Teil des Lebens des alten Mannes, vielleicht ist sie weggezogen oder widmet sich nun mehr ihrer eigenen kleinen Familie. Das Wasser ist weiter gestiegen und einige neue Stockwerke sind zum Haus dazugekommen. Seine Frau wird zum Zentrum des Lebens des alten Mannes, er kümmert sich um sie bis zu ihrem Tod.
Und dann ist er allein. Viele der Häuser rundherum sind unterdessen völlig untergegangen, nur noch vereinzelt ragen Dachspitzen aus dem Wasser, noch weniger bewohnte Häuser sind zu sehen. Das zeigt sehr dramatisch, wie einem das Leben das Umfeld, das man sich aufgebaut hatte, wieder raubt. Grosseltern, Eltern, Onkel und Tanten, womöglich sogar Freunde sterben früher als man selbst oder ziehen weg. Diesem alten Mann sind nicht einmal seine Frau und seine Tochter geblieben. Er ist allein mit den Erinnerungen an sein Leben. Ein Leben, von dem dem alten Mann nicht viel mehr übrigleibt als seine Bilder an der Wand. Bilder aus allen Stockwerken seines Lebens.
Man fängt mit nichts an, so wie der Mann, als er seine Frau heiratet, baut sich langsam etwas auf, wie der Mann sein Haus und eine Familie aufbaute und endet wieder mit dem, womit man begonnen hatte. Dies wird einem klar, wenn man den Teil des Hauses, in dem der Mann am Schluss lebt, mit dem vergleicht, in den er anfangs mit seiner Frau eingezogen ist.

Als in das Stockwerk, in dem der Mann „zwei Stockwerke“ nach dem Tod seiner Frau lebt, langsam Wasser eindringt, ist er gezwungen, ein neues zu bauen. Das Leben zwingt ihn, weiterzumachen. Und der Mann tut es. So wie er es schon immer getan hat, obwohl er immer wieder Dinge verloren hat. Er tut es, weil er keine andere Wahl hat.
Beim Bau des nächsten Stockwerkes sieht man oft einen Regenschirm. Es ist der Schirm seiner Frau, welche in bereits bei ihren Treffen am Baum hatte. Im Laufe der Arbeiten nutzt sich der Schirm ab, wird vom Wind und Wetter löchrig und zeigt, dass es viel Zeit braucht, um ein Stockwerk zu bauen, dass es viel Zeit braucht, um mit seinem Leben weitermachen zu können und mit etwas abzuschliessen. Und es zeigt auch, dass Erinnerungen, Dinge, die man verzweifelt festzuhalten versucht, mit der Zeit löchrig werden, sich abnutzen, vergehen.
Ein weiteres wichtiges Erinnerungsstück ist die Pfeife des alten Mannes. Er hat sie ungefähr seit der Geburt seiner Tochter, verbindet diese also mit der Pfeife. Als die Pfeife ihm beim Umzug in den neuen Stock ins Wasser fällt, will er sich bei einem Händler eine neue kaufen, doch keine kann sie ersetzen. So entscheidet er sich, nach der Pfeife zu tauchen und begibt sich gleichzeitig auf eine Reise durch sein eigenes Leben.

Durch eine Luke in der Mitte des neu gebauten Stockwerkes springt er also in die Tiefen seines Hauses, seines Lebens. Die Luke, die das Stockwerk, das eben erst geflutet wurde mit dem nächst-unteren verbindet, ist offen und gewährt dem Mann ungehindertes Weitertauchen in den Stock, in welchem seine Frau gestorben ist. Dort liegt seine Pfeife auf der geschlossenen nächsten Luke. Die erste, offene Luke zeigt, dass er mit dem Tod seiner Frau noch nicht abgeschlossen hat, die nächste, geschlossene, auf der die Pfeife lag, zeigt, dass er den „Verlust“ seiner Tochter hingegen hinter sich gelassen hat. Dies lässt sich auch auf das Leben eines jeden von uns übertragen, wie uns bei unserer Diskussion bewusst wurde. Manche Dinge, vor allem solche in naher Vergangenheit, kann man nicht so einfach hinter sich lassen. Zum Beispiel hat jemand gesagt, dass die Bezirksschulzeit noch immer ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens sei, sie mit der Primarschule jedoch abgeschlossen habe.

Die Erinnerung an seine Frau bringt den Mann dazu, diese Luke zu öffnen und ins nächstes Stockwerk abzutauchen. Und so geht es weiter bis er im ersten Stock, am Anfang seines Lebens, angekommen ist, wo er ein Weinglas findet. Das Glas, mit dem seine Frau mit ihm auf ihren Einzug angestossen hatte.

Von seinem Tauchgang zurück im obersten, einzigen trockenen Stockwerk, isst der alte Mann mit seiner Familie zu Abend. Mit der Pfeife, die ihn an seine Tochter erinnert, und dem Weinglas, das ihn mit seiner Frau verbindet.

Und das ist das Leben. Irgendwann ist es vorbei. Irgendwann ist man wieder so weit wie am Anfang. Das Wichtige ist, dass man dann zurücktauchen kann durch die Stockwerke seines Lebens und dass man sagen kann, ich habe gelebt.

 

-Oceanç

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