Warum der Aufsatz absolut ungerecht ist

Ich möchte in diesem Beitrag einmal darauf eingehen wie unfair es ist, dass wir, die Schüler, diesen Aufsatz über uns schreiben müssen.

Die Lehrer sagen, dass sie uns als Erwachsene sehen, doch sollten Erwachsene nicht gleichgestellt sein? Ich rede jetzt nicht davon, dass wir auf sie im Unterricht hören müssen, sondern im Bezug auf den Aufsatz. Wieso sollten wir ihnen unser Leben, unsere peinlichen Geschichten anvertrauen, wenn sie es auch nicht tun? Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit, aber hier werden wir erzwungen, Leuten zu vertrauen, die wir erst seit drei Wochen kennen!  Vor allem müssten wir auch den Lehrern vertrauen, die mit uns eigentlich gar nichts zu tun haben wollen, ausser ihren Job gut zu machen, weil sie es wahrscheinlich es nicht hingekriegt haben, sich in ihrem Fachgebiet hoch zu arbeiten und deswegen jetzt unterrichten( Wir haben Glück, dass wir nicht viele solcher Lehrer haben). Diesen Lehrern müssen wir etwas anvertrauen, aber sie selbst würden uns nichts anvertrauen, dass jeder hätte schon wissen können. Ein anderes Beispiel, wie haben sich denn die meisten Lehrer vorgestellt?

,,Ich heisse blablabla. Ich habe blablabla viele Kinder. In meiner Freizeit mache ich blablabla.“ Verstehe. Hat man uns nicht gesagt, dass wir es genau nicht so machen sollten? Was müssen wir in unseren Aufsatz schreiben? Geschichten aus unseren Leben, die uns prägen und uns ausmachen!

Mir persönlich ist es gleich, ob ich darüber erzählen soll, was meine Hobbys sind oder welche meine tiefsten Lebensgeschichten sind oder welche Unterwäsche ich heute trage. Mir geht es um das Prinzip. Es ist einfach ungerecht, dass wir so etwas machen müssen, während die Lehrer sich zurücklehnen und über unser Leben bemitleiden oder darüber lachen, was wir als Kinder angestellt haben. Meiner Meinung nach sollten sie auch einen Aufsatz über sich schreiben, die wir dann lesen dürfen.

Das Letzte, das ich noch sagen will ist, dass immer gesagt wird, dass SIE durch den Aufsatz besser mit uns arbeiten können, aber nie die Rede davon ist, dass WIR, SCHÜLER UND LEHRER, besser zusammen arbeiten können.

 

tooth chocolate

3 Comments

  1. Besten Dank für diesen Kommentar. Genau dafür ist dieser Blog auch gedacht: Dass Sie auch kritische Meinungen äußern und eine Diskussion anregen. Ich antworte hier – habe aber alle Beiträge gelesen (generell ist es wohl sinnvoll, in Kommentaren Diskussionen zu führen).
    Zunächst einmal muss ich vielleicht erklären, wie es zu diesem Auftrag gekommen ist: Lange Jahre war das eine Tradition an der Kantonsschule Wettingen, die ich dann durch persönliche Blogs ersetzt habe. Bei Ihnen bin ich wieder zum alten System zurückgekehrt, weil ich eben fand, dass es wichtig ist, dass Informationen auf diesem Weg verbreitet werden können. Das heißt: Kritisieren sollen Sie nicht Ihre Lehrpersonen im Allgemeinen, sondern mich im Konkreten.
    Zweitens ist das ein Angebot. Sie können im Aufsatz auch eine Geschichte erzählen, lediglich Fakten aufzählen oder ihn gar nicht schreiben. Das hat keinen Einfluss auf Ihre Note, der Aufsatz wird nicht bewertet. Auch die Wahrnehmung der Lehrpersonen wird dadurch nur marginal beeinflusst: Ihre Präsenz im Unterricht wirkt viel stärker als ein Aufsatz, den ohnehin nicht alle Lehrpersonen genau lesen werden. Der Aufsatz hat ein ähnliches Gewicht wie Ihre Freundlichkeit: Grüssen Sie im Treppenhaus freundlich, werden Sie positiv wahrgenommen. Aber auch Schülerinnen und Schüler, die nicht grüssen, behandeln wir an unserer Schule anständig und fair.
    Drittens stimmt das zwar, dass ich und viele andere Lehrpersonen wie Erwachsene behandeln. Aber nicht wie gleich berechtigte Erwachsene. Denken Sie nicht, die Kantonsschule Wettingen sei eine demokratische Schule bei der Lehrpersonen dieselben Rechte haben wie Schülerinnen und Schüler. Lehrpersonen dürften gratis kopieren, erhalten bei Bedarf einen Parkplatz, mit ihrem Schlüssel können sie Lift fahren, in den Pausen können sie feinen Kaffee beziehen und sich in einen speziellen Raum zurückziehen, für die Mensa können sie sich auch morgens um acht noch anmelden, in der Cafeteria gibt es einen eigenen Tisch für sie. Kurz: Lehrpersonen haben einige Privilegien. Ist das ungerecht? Dafür muss man wohl zunächst sagen, was man unter Gerechtigkeit versteht. Wenn man davon ausgeht, dass mit Rechten auch Pflichten verbunden sein sollten, dann wohl nicht: Lehrpersonen können nicht unvorbereitet in die Schule kommen oder gar unentschuldigt fehlen, sie können nicht passiv Lektionen absitzen, sie müssen Verantwortung übernehmen, wenn Schülerinnen und Schüler die Matur nicht bestehen oder sonstige schulische Probleme haben. Nicht zuletzt sind sie auch Angestellte des Kantons Aargau: Und Angestellte haben bestimmte Rechte. Zum Beispiel auch das, dass ihr Privatleben nur beschränkt mit ihrem Arbeitsauftrag zu tun hat. Wenn ein Lehrer gerne Schildkröten züchtet und eine Lehrerin nebenbei ein Tattoo-Studio betreibt, dann müssen sie darüber unter Umständen nicht einmal den Rektor informieren, geschweige denn ihre Schülerinnen und Schüler. (Aber ein Recht auf Privatsphäre genießen auch die Schülerinnen und Schüler.)
    Viertens haben Sie Recht: Die Aussage, eine gute Zusammenarbeit sei nur dann möglich, wenn Lehrpersonen sich auch öffnen, ist richtig. Vertrauen entsteht oft dadurch, dass man einander von sich erzählt. Und, wie Sie richtig sagen, auch durch Gegenseitigkeit. Deshalb werde ich auch einen Aufsatz über mich schreiben, den dürfen Sie alle lesen. Und ich werde auch die anderen Lehrpersonen bitten, es mir gleich zu tun. Aber ob sie das tun, überlassen wir ihnen.
    Zum Schluss noch ein persönlicher Kommentar: Wir spielen im Leben oft Rollen. Die Rolle der Lehrperson definiert ebensowenig wer wir sind, wie die Rolle der Schülerin oder des Schülers das bei Ihnen tut. Menschlichkeit bedeutet, diese Rollen glaubwürdig zu vertreten, aber durchscheinen zu lassen, dass es eben nur eine Rolle ist. Im entscheidenden Moment sind Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Vergeben und Vertrauen wichtiger als Regeln, Aufträge und abstrakte Prinzipien. Aber lernen lässt sich das schlecht. Auch lehren nicht. Es sind Dinge, bei denen man auf Englisch sagt, man müsse sie »pay it forward«: Vertrauen, damit andere einem vertrauen. Vergeben, damit andere auch vergeben. Helfen, mitfühlen – Sie merken, worauf ich raus will. Das funktioniert nie genau. Wer etwas investiert, wird oft enttäuscht. Es kann gut sein, dass Sie sich in Ihrem Aufsatz öffnen, und Ihre Lehrpersonen dazu nicht bereit sind. Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass es sich in einem rein mathematischen Sinne lohnt, mitzufühlen, zu helfen, zu vergeben oder zu vertrauen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich fest daran glaube, dass wir nur dann eine lebenswerte Gesellschaft sind, wenn viele uns dazu bereit sind.
    (So, das war nun fast eine Sonntagspredigt. Noch einmal: Danke allen fürs Mitdenken und Diskutieren – es freut mich, dass Sie so kritisch sind.)

  2. Ja, uns ist frei überlassen was wir in diesem Aufsatz schreiben, hinterlässt man jedoch bei einem Lehrer den gleichen Eindruck wenn man jetzt eine kurze Faktenliste abgibt oder wenn man ein zwei Seiten prägende Momenten in seinem Privatleben preisgibt? Ich glaube eher nicht. Doch wie Herr Wampfler sagt, dieser Aufsatz wird nicht Stark gewerten und überhaupt garnicht benotet. Da stellt sich aber wieder das Problem des Vertrauens, wenn man in einem Aufsatz nicht gerne von privaten Erlebnissen erzählt oder sich anderen gegenüber Öffnet, dann tut man dies in Person schon garnicht. So wird es schwer oder gar unmöglich dieses Vertrauen aufzubauen und das Lern-und Lehrklima wird dadurch stark beeinträchtigt und verschlechtert. Davon ist auch schlussendlich die Note betroffen, was wiederum weder im Sinne der Schüler, noch der Lehrer ist. Was nämlich viele von uns (Schüler/innen) oft vergessen ist, dass die Lehrpersonen nicht darauf aus sind uns mit möglichst vielen Hausaufgaben oder äusserst anspruchsvollen Prüfungen zu schaden, sondern sie haben mehrheitlich diesen Beruf gewählt, um ihr Wissen an uns weiterzugeben und durch dies die Zukunft dieser Welt, wenigstens für uns, zu verbessern und einfacher zu machen.
    Was die Sache mit der gleich Berechtigung angeht müsst ihr euch Bewusst sein: Ja die Lehrer haben einige (viele) Privilegien, welche jedoch durchaus sehr berechtigt und nötig sind. Sie werden nämlich dafür bezahlt uns ihr Wissen zu vermitteln und uns so optimal für einen späteren Beruf, bei welchem relativ hohe Ansprüche (dies nehme ich jetzt so an, sonst wäret ihr ja nicht an der Kantonsschule) gestellt sind, vorzubereiten. Falls sie nicht in der Lage sind diese Aufgaben zu meistern, müssen sie damit rechnen ihren Job zu verlieren. Auch wir tragen eine gewisse Verantwortung, vor allem weil wir diese Schule freiwillig besuchen, welche aber im Vergleich sehr gering ist. So stehen uns auch nicht die gleichen Privilegien zu, wie den Lehrern. Falls ihr euch aber während dem Unterricht bei einer Aufgabe unwohl fühlt, wie in diesem Fall bei dem Aufsatz, ist es sehr wohl euer Recht dagegen auszusprechen und auch die Erfüllung dieser Aufgabe zu verweigern.
    Ihr seht ich bin bei dieser ganzen Frage etwas zweigespalten, finde es aber im Endeffekt nicht falsch das wir diesen Aufsatz schreiben sollen und mache mir eher wenig Gedanken darüber, ob ich jetzt den Lehrpersonen über die Farbe meiner Unterhose berichten und eine Geschichte aus meiner Kindheit preisgeben soll oder nicht. Die meisten von ihnen werden es wohl sowieso nicht Lesen und falls doch, wird es mit all den anderen Schülern bald in Vergessenheit geraten.

    Danke für den guten und interessanten Beitrag.
    ^benksy

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