Zwischen drei Welten

Viele Eltern machen sich Gedanken darüber ob sie ihre Kinder bilingual erziehen sollten, werden sie beide Sprachen vermischen, werden sie keine richtig beherrschen? Mittlerweile ist es wissenschaftlich erwiesen dass eine zweisprachige Erziehung viele Vorteile mit sich bringt und in vielen englisch sprachigen Ländern wird bereits in der Grundschule eine Fremdsprache mitangeboten.  Doch wie ist es erst für ein Kind mit drei Sprachen aufzuwachsen?

 

Meine Erfahrung:

Am 27. November 1998 kam ich auf die Welt, meine Mutter aus Paraguay sprach nur wenig Deutsch und verständigte sich somit mit meinem Vater auf Spanisch, also war es seit Anfang an entschieden,  dass meine Eltern mich bilingual erziehen wollten. Meine ersten Worte spielten eine grosse Rolle, denn bei meinen Eltern lag die Neugierde darin in welcher Sprache ich als erstes reden würde. Zu ihrem Erstaunen, da ich in einem hauptsächlich Deutsch sprachigen Umfeld aufwuchs, war mein erstes Wort „Oso“ was so viel bedeutet wie „Bär“ in Spanisch. Als ich mit dem Kindergarten anfing und bemerkte, dass alle Leute mit welchen ich zu tun hatte Deutsch sprachen ausser meiner Mutter, wunderte ich mich allerdings zuerst und hatte das Verlangen mich anzupassen also hörte ich auf ihr in der Öffentlichkeit spanische Antworten zu geben, da ich dachte etwas würde mit ihr nicht stimmen und antwortete stattdessen immer in Deutsch. Mit vier Jahren traf ich aber meine Grosseltern aus Paraguay zum ersten Mal nach meiner Geburt. Mein Horizont als Kleinkind, welcher zuvor nur Deutschland umfasste erweiterte sich  als ich nach Süd Amerika kam. An diesem Ort sahen alle meiner Mutter ähnlich und sprachen auch die gleiche Sprache. Ab dem Moment merkte ich; „Sie ist doch keine Verrückte.“ Bei diesem Besuch erhöhte sich mein Selbstbewusstsein und Spanisch, die „nicht erwünschte Sprache“  verwandelte sich auf einmal in die „Geheimsprache“ zwischen mir und meiner Mutter.

Als mein Vater drei Jahre später eine Beförderung bekam für welche er allerdings in Australien tätig sein musste, kam eine dritte Sprache ins Spiel, Englisch. Als Kind war ich immer offen für Neues also freute  ich mich erstmals auf unseren Umzug nach Melbourne, in den Süden Australiens. Um mein Englisch zu fördern dachten meine Eltern wäre es das Beste mich an eine öffentliche Grundschule zu schicken. So kam ich an die Bayswater South Primary School. Ich freute mich auf den ersten Schultag und an den Gedanken eine weitere Sprache zu erlernen. Noch mehr gefiel es mir als die Schulrektorin meinte, ich würde in nur drei Monaten die englische Sprache beherrschen. Im ersten Moment kam es mir unglaubwürdig vor doch als diese Zeit abgelaufen war, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass es zwischen meinem Englisch und dem meiner Kollegen kaum einen Unterschied mehr gab. Der Weg bis dahin war allerdings alles andere als ein Zuckerschlecken.

Obwohl mir mein Vokabular manchmal nur in einer Sprache einfällt oder ich während einer heissen Diskussion plötzlich Sprachen wechsle finde ich es trotzdem ein Privileg mit drei verschiedenen Sprachen aufwachsen zu dürfen, denn hinter jeder Sprache versteckt sich eine andere Welt und dieses Wissen das ich mir durch diese drei verschiedene Kulturen ergattert habe wird mir in meiner zukünftigen Karriere nur von Nutzen sein.

#baileys

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